Aufsichtspflicht
Betreuerauswahl, aber richtig – Tipps für Träger

Bei Veranstaltungen von Jugendverbänden übertragen die Eltern ihre Aufsichtspflicht in aller Regel an den Jugendverband. Dieser überträgt die übernommene Aufsichtspflicht sodann weiter auf hauptamtliche Mitarbeiter oder ehrenamtliche Betreuer. Dies allein genügt jedoch selbstverständlich nicht für eine ordnungsgemäße Erfüllung der vertraglich übernommenen Aufsichtspflicht. Der Jugendverband ist und bleibt als Vertragspartner der Eltern dafür verantwortlich, dass die zu betreuenden Kinder und Jugendlichen keine Schäden erleiden oder verursachen. Da die Aufsichtspflicht jedoch tatsächlich von den Betreuern zu erfüllen ist, muss der Jugendverband eine ordnungsgemäße Auswahl und Überwachung der Betreuer gewährleisten. In den nachfolgenden Ausführungen finden Sie Hinweise zu den maßgeblichen rechtlichen Aspekten:

Haftung des Jugendverbandes für Fehler der eingesetzten Betreuer

Die von dem Jugendverband übernommene Aufsichtspflicht beinhaltet ganz grundsätzlich die Pflicht, Betreuer sorgfältig auszuwählen und in ihrer Tätigkeit zu überwachen. Verletzt der Jugendverband diese Pflicht, so trifft ihn ein sogenanntes Organisationsverschulden. Schlimmstenfalls kommt es aufgrund eines solchen Organisationsverschuldens infolge einer Aufsichtspflichtverletzung eines eingesetzten Betreuers zu einem Schaden. Dann stellt sich die Frage nach einer Haftung des Jugendverbandes. Bei einem Schaden eines Aufsichtsbedürftigen haftet der Jugendverband für das Verschulden der eingesetzten Betreuer wegen der Zurechnung des Verschuldens von Erfüllungsgehilfen ohnehin wie für ein eigenes Verschulden ohne Entlastungsmöglichkeit (Exkulpation). Bei einem Schaden eines außenstehenden Dritten handeln die eingesetzten Betreuer für den Jugendverband jedoch als Verrichtungsgehilfen, so dass für den Jugendverband gegenüber dem Geschädigten grundsätzlich die Entlastungsmöglichkeit (Exkulpation) besteht. Voraussetzung hierfür ist jedoch, dass den Jugendverband nachweisen kann, dass die eingesetzten Betreuer ordnungsgemäß ausgewählt und überwacht worden sind.

Kriterien für eine ordnungsgemäße Betreuerauswahl

Nach den Vorgaben der Rechtsprechung dürfen nur solche Personen als Betreuer eingesetzt werden, die für eine solche Tätigkeit auch geeignet sind. Die Auswahl der Betreuer sollte sich daher an folgenden Kriterien orientieren:

1. Verfügt der Betreuer über ausreichende fachliche Kenntnisse und Fertigkeiten?

Ein recht guter Maßstab für den Mindeststandard der fachlichen Qualifikation für Betreuer ergibt sich aus den Vorgaben für den Erwerb der Jugendgruppenleitercard (JuLeiCa). Nach diesen Vorgaben sollen Jugendgruppenleiter über Grundkenntnisse insbesondere aus den Bereichen Pädagogik, Psychologie, Recht und Erste Hilfe verfügen und diese auch in der Praxis anwenden können. Der Nachweis über eine absolvierte JuLeiCa-Schulung ist somit aus Trägersicht ein ganz guter Anhaltspunkt für den Kenntnisstand des Jugendgruppenleiters. Selbstverständlich kommen jedoch auch Nachweise über vergleichbare Fortbildungsveranstaltungen in Betracht. Weitergehende Ausbildungsnachweise dürften eher die Ausnahme sein. Entscheidend ist der Kenntnisstand des Betreuers. Absolviert der Betreuer gerade eine Berufsausbildung oder ein Studium in einem der genannten Bereiche, kann auch dies berücksichtigt werden.

Kenntnisse theoretischer Grundlagen der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen sind natürlich wichtig, allein aber noch nicht ausreichend. Ein Betreuer muss sein Wissen auch in seiner Tätigkeit anwenden können. Hierüber können Referenzschreiben o.ä. Aufschluss geben.

2. Verfügt der Betreuer über das notwendige Verantwortungsbewusstsein?

Neben den fachlichen Kenntnissen und Fertigkeiten muss ein Jugendgruppenleiter auch über ein ausreichendes Selbstbewusstsein und Verantwortungsbewusstsein verfügen. Beides ist für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen unverzichtbar. Der Jugendgruppenleiter darf sich nicht scheuen, in seiner Tätigkeit als Aufsichtsperson auch unpopuläre Entscheidungen zu treffen und diese durchzusetzen. Hierfür ist indes auch ein ausreichendes Verantwortungsbewusstsein Voraussetzung. Dies mag ein wenig von der jeweiligen Persönlichkeit des Jugendgruppenleiters abhängen. Nicht ganz ohne Grund sehen jedoch die Förderrichtlinien für Veranstaltungen mit Kindern und Jugendlichen vor, dass die eingesetzten Jugendgruppenleiter älter als 16 Jahre sind. Selbstverständlich können Träger auch Jugendliche unter 16 Jahren als Jugendgruppenleiter einsetzen. Es sollten aber in jedem Fall auch Jugendgruppenleiter eingesetzt werden, die älter als 16 Jahre sind.

Da in aller Regel mehrere Jugendgruppenleiter im Team tätig sind, können Träger bedenkenlos neben „alten Hasen“ auch „Neueinsteiger“ einsetzen. Auf diese Weise können Neueinsteiger im Laufe ihrer Tätigkeit die notwendigen Erfahrungen sammeln und zu gegebener Zeit auch mal mehr Verantwortung übernehmen, z.B. als Teamleiter.

3. Verfügt der Betreuer über die erforderlichen körperlichen Voraussetzungen?

Selbstverständlich muss ein Teamer körperlich ganz grundsätzlich zu einer Tätigkeit als Jugendgruppenleiter in der Lage sein. Dies dürfte jedoch nur in Ausnahmefällen ein Problem darstellen.

Fazit:

Die Pflicht des Trägers zu einer ordnungsgemäßen Auswahl der eingesetzten Betreuer dient letztlich dem Zweck, dass möglichst geeignete Aufsichtspersonen mit der tatsächlichen Aufsichtsführung betraut werden. Fehler bei der Betreuerauswahl können daher für den Träger ein Haftungsrisiko bedeuten, wenn es zu einer Aufsichtspflichtverletzung der eingesetzten Betreuer kommt. Aus diesem Grunde muss der Träger neben einer ordnungsgemäßen Betreuerauswahl auch eine ausreichende Einweisung und Überwachung der eingesetzten Betreuer sicherstellen.

Weiterführende Informationen zu den Pflichten der Träger / Veranstalter finden Sie in dem Beitrag:

„Irren ist menschlich – Tipps für Träger zur Gewährleistung ordnungsgemäßer Aufsicht“

Weiterführende Informationen zum Thema Aufsichtspflicht finden Sie hier.

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