Tipps für Teamer: Eingreifen bei körperlichen Auseinandersetzungen

Gerade bei Veranstaltungen mit Kindern und Jugendlichen kommt es immer mal wieder zu körperlichen Auseinandersetzungen. Für Jugendgruppenleiter stellt sich in solchen Situationen stets die Frage, ab welchem Punkt eingegriffen werden sollte und wie auf die jeweilige Situation regiert werden muss. Die nachfolgenden Tipps verstehen sich als Anregung für ein Vorgehen je nach konkreter Situation:

1. Genau beobachten, wie sich die Situation entwickelt

Auch wenn es für Außenstehende oft den Anschein hat, dass es quasi ganz plötzlich zu einem Ausbruch der Gewalt gekommen ist, kündigen sich körperliche Auseinandersetzungen meist bereits im Verhalten der Beteiligten an. Betreuer sollten daher sehr aufmerksam beobachten, wie sich Situationen entwickeln. Ist das übliche „Rumblödeln“ für alle Beteiligten nur Spaß oder ist die Situation angespannt und es gibt bereits ein Wort das andere ? Meist ist es sehr sinnvoll, dass die Teamer sich direkt zu den Kindern und Jugendlichen begeben, um die Situation durch ihre Anwesenheit zu entspannen.

2. Klare Regeln aufstellen, wenn die Gesprächsatmosphäre kippt

Wenn die Beteiligten in einer Diskussion kaum noch über das eigentliche Gesprächsthema reden sondern sich schon gegenseitig persönlich anfeinden, sollten die Betreuer ein Stopp-Signal setzen und für das weitere Gespräch klare Regeln aufstellen („Beleidigungen gehören nicht hierher !“). Die Betreuer sollten anwesend bleiben und die Einhaltung der Regeln überwachen, bis die Diskussion wieder etwas entspannter läuft.

3. Bei Drohgebärden einschreiten

Wenn sich die Kontrahenten mit Blicken fixieren oder sich bereits drohen, ist dies ein unmissverständliches Warnsignal ! Sofern nicht bereits geschehen, sollten die Teamer spätestens jetzt einschreiten. Oftmals ist es erforderlich, sich körperlich zwischen die Kontrahenten zu stellen, um den Blickkontakt zwischen den beiden zu unterbrechen und die Situation zu deeskalieren. Wichtig ist wiederum ein klares Stopp-Signal sowohl für die Beteiligten als auch für die Umstehenden („Es reicht jetzt ! Hier wird nicht geschlagen !“)

4. Bei einer Prügelei sofort dazwischengehen und die Kontrahenten trennen

Schlagen die Kontrahenten bereits aufeinander ein, müssen die Jugendgruppenleiter sofort dazwischengehen. Das Stopp-Signal muss kurz, unmissverständlich und vor allem laut gegeben werden („Schluß !“). Anschließend müssen die beiden Kontrahenten (notfalls mit vollem Körpereinsatz) getrennt werden. Wichtig ist wieder, den Blickkontakt der beiden zu unterbrechen. Die Kontrahenten sollten schnellstmöglich soweit voneinander räumlich getrennt werden, dass sie nicht unmittelbar nach dem Trennen sofort wieder aufeinander losgehen können. Unmittelbar nach der Prügelei sollte dafür gesorgt werden, dass die Beteiligten sich (gesondert jeder für sich) wieder beruhigen. Bagatellisierungen wie „War doch halb so wild.“ sollten nicht akzeptiert werden („Das sah für mich von außen anders aus.“).

5. Nach der Prügelei klare Anweisungen an die Unbeteiligten

Nach der Trennung der Kontrahenten muss den Unbeteiligten nochmals kurz und unmissverständlich deutlich gemacht werden, dass gewalttätige Auseinandersetzungen unerwünscht sind und einen klaren Regelverstoß darstellen, der Konsequenzen hat. Es sollte im übrigen erklärt werden, dass der Vorfall mit den Kontrahenten ausgewertet wird und Folgen haben wird.

6. Auswertung des Vorfalls mit den Kontrahenten

Wenn sich die Kontrahenten wieder beruhigt haben, muss der Vorfall ausgewertet werden. Die Auswertung sollte nicht vor der Gruppe sondern nur mit den Beteiligten erfolgen. Die Betreuer sollten darauf achten, dass das unerwünschte Verhalten der Beteiligten als solches, also die Schlägerei, und nicht die Beteiligten als Personen kritisiert werden. Die Beteiligten sollten sodann die Möglichkeit haben, den Vorfall aus ihrer Sicht zu schildern. Hierzu zählt auch, wie sie sich dabei gefühlt haben. Gemeinsam mit den Beteiligten sollte sodann besprochen werden, wie zukünftig entsprechende Auseinandersetzungen geklärt werden sollen. Den Beteiligten muss in jedem Fall deutlich gemacht werden, dass ihr Fehlverhalten Sanktionen zur Folge hat, die konsequent durchgesetzt werden. Welche Sanktionen verhängt werden, hängt von der konkreten Situation ab.

7. Kritische Reflektion des Vorfalls im Betreuerteam

Nach der Beilegung des Streits unter den Beteiligten sollten Teamer nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Ist es zu einer gewalttätigen Auseinandersetzung gekommen, sollte intern eine Reflektion erfolgen. Hierbei sollte die Aufsichtsführung thematisiert werden, damit gegebenenfalls erforderliche Korrekturen vorgenommen werden können.