Aufsichtspflicht
Gefahr erkannt – Gefahr gebannt!

Veranstaltungen der Jugendarbeit müssen ganz unterschiedlichen Erwartungshaltungen gerecht werden. Die meist minderjährigen Teilnehmer wollen Spaß und Action nach Möglichkeit „rund um die Uhr“ erleben. Die Erziehungsberechtigten erwarten dagegen nachvollziehbarerweise, dass Spaß und Action nicht zu Verletzungen oder Schäden ihrer Kinder führen. Die Tätigkeit als Jugendgruppenleiter ist daher eine ständige Gratwanderung. Einerseits sollen die Teilnehmer die Möglichkeit haben, sich auszuprobieren und ihre Grenzen kennenzulernen. Andererseits sollen die Aktivitäten nicht mit unkalkulierbaren Risiken für die Teilnehmer verbunden sein.

Gefahrensituationen vermeiden – Gefahrenquellen beseitigen

Betreuer sollten zur Vermeidung von Schäden und Verletzungen nach Möglichkeit Gefahrensituationen vermeiden und Gefahrenquellen beseitigen. Dies bedeutet jedoch nicht, dass die Kinder und Jugendlichen „in Watte gepackt“ werden müssen. Es soll lediglich gewährleistet werden, dass keine unbeherrschbaren Situationen entstehen. Um diesen Anforderungen gerecht werden zu können, sollten die Betreuer sich möglichst umfassend über die Gegebenheiten am Veranstaltungsort und die Veranstaltungsteilnehmer informieren. Basierend auf diesen Informationen kann in den Belehrungen auf bestimmte Punkte besonders eingegangen werden. Gegebenenfalls können Gefahrensituationen durch verstärkte Aufsicht vermieden werden.

Anforderungen der Rechtsprechung

Älterer Rechtsprechung lässt sich entnehmen, dass Schäden früher dadurch verhindert werden sollten, dass jegliche Gefahren von vornherein von Kindern und Jugendlichen ferngehalten werden. Seit Mitte der 60er Jahre ist aufgrund der fortschreitenden Liberalisierung der elterlichen und schulischen Erziehung jedoch auch ein Wandel der gerichtlichen Beurteilungsmaßstäbe erkennbar. So sollen Jugendgruppenleiter den ihnen anvertrauten Kindern und Jugendlichen im Umgang mit Gefahrensituationen brauchbare Handlungs- bzw. Reaktionsmuster aufzeigen und eigene Erfahrungen verschaffen. Hierzu führte der Bundesgerichtshof in einer Entscheidung aus dem Jahre 1976 folgendes aus:

Nicht unbedingt das Fernhalten von jedem Gegenstand, der bei unsachgemäßen Umgang gefährlich werden kann, sondern gerade die Erziehung des Kindes zu verantwortungsbewusstem Hantieren mit einem solchen Gegenstand wird oft der bessere Weg sein, das Kind und Dritte vor Schäden zu bewahren. Hinzu kommt die Notwendigkeit frühzeitiger praktischer Schulung des Kindes, das seinen Erfahrungsbereich möglichst ausschöpfen soll. (BGH, Az. VI ZR 93/75;NJW 1976, S. 1684)

Etwas überspitzt formuliert könnte man sagen, dass Kinder und Jugendliche ein Recht darauf haben, ihre Grenzen auszutesten. Dies ist selbstverständlich mit der Gefahr verbunden, dass die Kinder und Jugendlichen aufgrund von Fehleinschätzungen zu Schaden kommen. So dürfte es allgemeiner Lebenserfahrung entsprechen, dass es gerade bei ungewohnten Tätigkeiten sehr schnell zu kleineren Unfällen kommen kann. Allerdings dürfte es ebenso allgemeiner Lebenserfahrung entsprechen, dass stete Übung den Meister macht.

Fazit

Kinder und Jugendliche müssen sich ausprobieren. Damit sie hierbei nicht aus Mangel an Erfahrung in ungewohnten Situationen unkontrollierbare Risiken eingehen, sollten Jugendgruppenleiter Gefahrensituationen absichern. Mitunter kann es bereits ausreichend sein, über Gefahrenquellen zu informieren und anschließend durch bloße Anwesenheit sicherzustellen, dass die Spielregeln eingehalten werden. Gleichwohl lassen sich leichtere Verletzungen wie Abschürfungen oder kleinere Schäden an Bekleidungsstücken nie ganz ausschließen. Letztlich geht es darum, sich Gedanken über zwei Fragen zu machen: In welchen Situationen drohen Gefahren? Und: Wie können die Risiken von Verletzungen oder Schäden sinnvoll begrenzt werden?

Weiterführende Informationen gibt es in dem Beitrag:

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