Aufsichtspflicht

Was tun bei Regelverstößen? Empfehlungen für den Fall der Fälle

Wenn sich die Veranstaltungsteilnehmer untereinander nicht kennen, kommt es erfahrungsgemäß gerade zu Beginn der Veranstaltung häufig zu Auseinandersetzungen zwischen den Teilnehmern untereinander einerseits sowie zwischen den Teilnehmern und den Teamern andererseits. Auch im späteren Verlauf einer Veranstaltung ist immer damit zu rechnen, dass die Regeln einfach vergessen werden oder bewusst übertreten werden. Dann stellt sich stets die Frage, wie die Jugendgruppenleiter hierauf reagieren können. Folgende Gesichtspunkte sollten berücksichtigt werden:

Eingreifen entsprechend der Gefahrensituation

Betreuer sollten ihr Aufsichtsverhalten und ihre Reaktion auf eine Gefahrenlage an den konkreten Umständen der Aufsichtssituation orientieren. Es muss nicht immer und bei jeder Kleinigkeit aus Übervorsichtigkeit mit dem Heimschicken gedroht werden! Dies führt allenfalls dazu, dass sich die Teilnehmer wie kleine Kinder behandelt fühlen. Im übrigen soll bei Veranstaltungen der außerschulischen Jugendarbeit mit Methoden beispielsweise aus der Erlebnispädagogik ein partnerschaftlicher Lernprozess fernab des aus der Schule bekannten Frontalunterrichtes erfolgen. Dies erfordert je nach Alter und Persönlichkeit der einzelnen Teilnehmer mal größere Freiräume und mal ein schnelleres Eingreifen. Es gilt der Grundsatz: Je größer die drohende Gefahr, umso schneller muss eingegriffen werden.

Einheitliche Linie im Betreuerteam

Im Betreuerteam sollte im Hinblick auf die Reaktion auf Regelverstöße eine einheitliche Linie gefahren werden. Selbst kleinere Kinder haben bereits ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden. Reagieren die Jugendgruppenleiter in ähnlichen Situationen sehr unterschiedlich, wird dies aller Voraussicht nach zu vermeidbaren Diskussionen führen. Im übrigen untergräbt ein unklares Verhalten der Teamer auch deren Autorität. Gerade ältere Veranstaltungsteilnehmer versuchen manchmal, die einzelnen Betreuer gegeneinander auszuspielen, wenn diese sich im Team nicht einig sind.

Bei Regelverstößen als Jugendgruppenleiter reagieren

Jugendgruppenleiter wollen einerseits ein vertrauensvolles Verhältnis zu den zu betreuenden Kindern und Jugendlichen aufbauen, sollen andererseits aber als Aufsichtsperson Autorität wahrnehmen können. Diese Rollen stehen sicher nicht in Widerspruch zueinander, aber in Gefahrensituationen muss der Betreuer eine Entscheidung treffen, ob er als „Kumpel“ die zu betreuenden Kinder und Jugendlichen gewähren lässt oder als „Spielverderber“ einschreitet. Auch insoweit gilt: Wer immer als Kumpel reagiert, wird von den zu betreuenden Kindern und Jugendlichen auch nur als Kumpel wahrgenommen. Dies kann im „Ernstfall“ dramatische Folgen haben und zu einem Haftungsfall führen. Auch auf die Gefahr hin, bei den zu betreuenden Kindern und Jugendlichen kurzzeitig „unten durch zu sein“, muss der Jugendgruppenleiter in seiner Rolle als Aufsichtsperson auch unpopuläre Entscheidungen treffen (und durchsetzen). Umso wichtiger ist deshalb, dass alle Teamer hinter getroffenen Entscheidungen stehen.

Nicht alles, was sich pädagogisch begründen lässt, ist rechtlich zulässig!

Selbstverständlich muss sich die Entscheidung über ein Einschreiten oder Konsequenzen bei Regelverstößen im Rahmen des rechtlich zulässigen halten. Pädagogen und Juristen betrachten mit der Problematik von Regelverstößen zwar die selben Fallkonstellationen. Allerdings erfolgt die Betrachtung aus verschiedenen Perspektiven. Dies führt zum Teil zu unterschiedlichen Ergebnissen. So mag sich z.B. begründen lassen, unter welchen Voraussetzungen es pädagogisch sinnvoll ist, einen einzelnen Gruppenteilnehmer in der Gruppe zu isolieren. Es mag sich auch pädagogisch vertreten lassen, dass es im Ergebnis darauf ankomme, den einzelnen Gruppenteilnehmer im Anschluss an die pädagogische Maßnahme wieder in die Gruppe integrieren zu können. Hierfür dürfte indes eine pädagogische Ausbildung und entsprechende Erfahrung erforderlich sein. Unter rechtlichen Gesichtspunkten ist daher von einem solchen Vorgehen dringend abzuraten. Dies gilt umso mehr, weil vorhersehbar ist, dass bei einem Fehlschlagen der pädagogischen Maßnahme Konflikte verschärft werden und ein Haftungsfall nahezu provoziert wird.

Fazit

Bei Regelverstößen sollten Jugendgruppenleiter entsprechend der jeweiligen Aufsichtssituation reagieren. Wichtig sind eine einheitliche Linie im Betreuerteam sowie ein klares und nachvollziehbares Agieren der einzelnen Teamer.

Weitergehende Informationen, welche Sanktionen bei Regelverstößen angedroht und durchgesetzt werden können, gibt es im Beitrag:

Gerne können Sie auf unsere Beiträge verlinken. Über eine entsprechende Mitteilung vorab würden wir uns freuen.